Knochenaufbau am Kiefer

Zahnimplantate sollen verlorengegangene Zähne ersetzen. Ähnlich wie ihre natürlichen Vorbilder werden die Implantate im Kieferknochen verankert und wachsen durch biologische Prozesse am Kieferknochen an. Diese Entdeckung machten bereits die Ägypter, Etrusker und andere hochentwickelte alte Völker. Allerdings waren damals die Erfolgsraten nicht so hoch wie gewünscht. In den 1960er Jahren entdeckte durch Zufall der Schwede I. Branemark, dass Knochengewebe an Titanoberflächen sehr zuverlässig anwachsen: die Geburtsstunde der Zahnimplantate. Aus dieser Entdeckung entstand in den folgenden Jahren bis heute die Entwicklung einer für die menschliche Gesundheit bahnbrechenden Therapie: die orthopädische und auch die zahnärztliche Implantologie.

Da also die Implantate im Kieferknochen anwachsen, benötigt der Implantologe genügend Knochen zur Verankerung der Implantate. Leider ist häufig genau dort, wo ein Implantat nötig wäre, wegen Knochenabbau kein Knochen mehr vorhanden. Lange Jahre war dann eben keine Implantation möglich. Durch intensive Forschung entwickelten sich dann aber effektive Operationstechniken für Knochenaufbau, die heute fast unter allen Umständen an der gewünschten Stelle genügend Kieferknochen bereitstellen.

Wie entsteht überhaupt Knochen? Während der Wachstumsphase und später bei Knochenbrüchen werden ausgehend von der Knochenhaut (Periost) Knochenzellen (Osteoblasten) gebildet, die in die Umgebung Knochenhartsubstanz abgeben. Erstaunlicherweise sind bei diesem Prozess auch gleichberechtigt knochenabbauende Zellen (Osteoklasten) beteiligt , die den Knochen auch wieder abbauen. Der resultierende Knochen ist also sehr lebendig: ständig wird er an- und abgebaut. Dabei kann der Körper sehr effektiv über die Zellsteuerung die Knochenmenge und -dichte den gerade herrschenden Anforderungen anpassen. 

Krankhafte Veränderungen z.B. mit vorherrschendem Knochenabbau (Knochenschwund)  kennen wir z.B. als Osteoporose oder wegen einer Entzündung bei der Parodontitis. Zu hohes Knochenwachstum dagegen besteht z.B. bei Tumoren.

Im Munde z.B. sieht man den rapiden Abbau von Knochen nach einer Zahnentfernung. Wird das Gebiss sehr stark genutzt, wird um die Zähne und im Kieferknochen Knochen zur Stabilisierung angebaut. Dieser Knochenstoffwechsel ist besonders stark im Inneren des Knochens: im Knochenmark, das wegen seiner schwammartigen Struktur auch Spongiosa heisst.  Die äussere Umhüllung des Knochens ist dagegen sehr hart und zeigt weniger Stoffwechsel: es ist die Knochenrinde oder Corticalis. Im Oberkiefer besteht ein wesentlich höherer Anteil an Spongiosa, im Unterkiefer dagegen gibt es mehr Corticalis. Früher dachte die Fachwelt, dass wegen der größeren Härte dann auch die Implantate im Unterkiefer besser halten. Doch so einfach ist es nicht.

Wie entsteht überhaupt Knochen? Während der Wachstumsphase und später bei Knochenbrüchen werden ausgehend von der Knochenhaut (Periost) Knochenzellen (Osteoblasten) gebildet, die in die Umgebung Knochenhartsubstanz abgeben. Erstaunlicherweise sind bei diesem Prozess auch gleichberechtigt knochenabbauende Zellen (Osteoklasten) beteiligt , die den Knochen auch wieder abbauen. Der resultierende Knochen ist also sehr lebendig: ständig wird er an- und abgebaut. Dabei kann der Körper sehr effektiv über die Zellsteuerung die Knochenmenge und -dichte den gerade herrschenden Anforderungen anpassen. 
 

Kieferknochenaufbau

Wo braucht man Knochenaufbau?

Wenn Zähne verloren gehen, baut also der Knochenstoffwechsel sofort auch den umgebenden Geflechtknochen ab (Knochenschwund, Knochenabbau), da er ja nun wohl nicht mehr gebraucht wird. Soll aber dort der Zahn mit einem Implantat wieder ersetzt werden, muss man sich beeilen, damit noch genügend Knochen für die Implantation vorhanden ist (ca. 6 Wochen). Liegt die Zahnentfernung schon einige Monate zurück, ist daher für die Verankerung des Implantates je nach Situation eventuell ein Aufbau des verloren gegangenen Knochens mit einem Verfahren des Knochenaufbaus nötig. Für eine solche Einschätzung benötigt der Implantologe eine gute manuelle Untersuchung und eine Röntgenuntersuchung. Besonders häufig wird ein Knochenaufbau benötigt im Bereich des hinteren Unterkiefers und seitlichen Oberkiefers (Bereich Kieferhöhle).

Wegen des Abbaus des Knochens bei Parodontitis fehlt aber doch Knochenmasse öfter in allen Bereichen. Für jede Region und jede Form des verbliebenen Knochens gibt es spezielle Operationstechniken, außerdem bevorzugen verschiedene Operateure auch verschiedene Techniken und auch verschiedene Arten von Knochenersatzmaterial. Für den Laien ist das daher ein nicht überschaubares Gebiet. Umso wichtiger ist die ausführliche Beratung für Zahnimplantate eventuell unter Einbeziehung einer Zweitmeinung. Für diese Beratungssitzung stehen unsere Implantologen gerne und ausführlich zur Verfügung. Damit Sie sich ein Bild machen können, wie beim Knochenaufbau vorgegangen wird, beschreiben wir Ihnen hier einige Techniken:

Zahnimplantate Konstanz

 

„Durch die lange, über 30 jährige Erfahrung in der Implantologie, profitieren unsere Patienten. Durch den Einsatz von Knochenersatzmaterialien sind wir in der Lage auch bei einem Unterangebot an Knochenquantität reagieren zu können und so unseren Patienten auf Dauer eine feste Lösung mit Implantaten zu bieten. In der Regel ist bei einem Knochenaufbau von einer Einheilzeit von 6 Monaten auszugehen.“

Dr. Michael Hager, Zahnarzt bei Dr. Hager Zahnärzte

Sinuslift Verfahren nach H.Tatum 1986

Der bekannteste Knochenaufbau. Korrekt heisst das Verfahren Sinusbodenelevation, denn wegen einer zu grossen Kieferhöhle mit einem nach Zahnverlust zu tief liegenden Kieferhöhlenboden (Sinusboden) muss der Boden angehoben (eleviert, engl. Lift) werden. In der Sinuslift-Op. wird mit Bohrern in der seitliche Kieferhöhlenwand ein sog. Fenster eröffnet, durch das dann die nun zugängliche Kieferhöhlenschleimhaut ("Schneider Membran") hochgehoben (Lift) wird, in den entstehenden Hohlraum auf den knöchernen Boden wird dann künstliches Knochenersatzmaterial und evtl. in einer späteren Sitzung das gewünschte Implantat mit festem Halt eingebracht (zweizeitiges Vorgehen). Nach einer mehrmonatigen Knochenwachstumszeit ist dann an der gewünschten Stelle ein grosses Knochengewebe mit natürlichen lebendigen feinen Knochenbälkchen gewachsen, dessen Struktur dem Implantat genügend Halt bietet.

Jeder Implantologe hat seine Modifikationen des Sinuslift entwickelt, wir gestalten z.B. das Fenster minimalinvasiv, damit möglichst viel umliegender Knochen zum Wachstum zu Verfügung steht, und in der Regel setzen wir auch in der gleichen Sitzung mit dem Sinuslift bereits die Implantate (einzeitiges Vorgehen). Wir verwenden auch bewusst keine Wachstumsfaktoren, um unkontrollierte Zellvermehrungen zu vermeiden.

Als Knochenmaterial benutzen wir ausschliesslich synthetisches Knochenersatzmaterial, künstlichen Knochen, zum Ausschluss von denkbaren Keimübertragungen aus tierischem Knochen (z.B. Rinderknochen Bio-Oss). Auch gewinnen oder entnehmen wir keinen Knochen vom Beckenkamm, da dort längere Zeit Schmerzen das Gehen behindern würden. Das Verfahren der Sinuslift-Operation erzeugt für Implantate aus Titan und Keramik hohe Stabilität.

Interner Sinuslift nach Summers 1994

Eine Modifikation des oben beschriebenen Sinuslift. Hierbei wird der Kieferhöhlenboden durch eine Bohrung exakt bis zum Kieferhöhlenboden ohne Durchtrennen der dortigen Schleimhaut angehoben und sofort das Implantat dort eingesetzt. Der interne Sinuslift ist bei nur geringen Knochendefiziten der Kieferhöhle sicher. Je nach Modifikation des Eingriffs wird an anderer Stelle entnommenes Knochenmaterial mit Osteoblasten vor die Spitze des Zahnimplantates eingebracht. So wird fehlende Knochenhöhe bei festem Halt mit einfachen Mitteln gewonnen.

Eine andere Technik ist die sog. Auflagerungsplastik. Hier wird direkt auf die Knochenstelle mit fehlendem Knochen ebenfalls vollsynthetisches Knochenersatzmaterial aufgebracht. Dieses Material darf nur Kontakt mit dem darunterliegenden vorhandenen Knochen haben, aus dem die Knochenzellen einwandern sollen. Alle anderen Gewebe werden durch das Einbringen einer vollsynthetischen Membran vom Kontakt ferngehalten, da sonst die viel schnelleren Bindegewebszellen in das Knochenersatzmaterial einwandern würden. Dann würde natürlich dort kein neuer Knochen entstehen. Auch hier gibt es wieder zahllose Varianten und Methoden (Bone-Splitting, Bone-Spreading, ...), schon allein über die Materialien reden sich die Fachleute auf Kongressen die Köpfe heiss, wir auch.

Wie Sie sehen, kommt es immer auf die biologischen Wachstumseffekte des natürlichen Knochens an, die sich der Operateur zu Nutze machen muss. Also ist es immer der Körper selbst, der die gewünschte Heilung möglich macht, der Operateur kann nur die Bedingungen optimieren. In sofern ist wegen der unterschiedlichen Wachstumskräfte und Abwehrkräfte immer mit starken individuellen Unterschieden bei den verschiedenen Patienten zu rechnen. Wir führen aber notfalls mit zusätzlichen Massnahmen und Behandlungen den Eingriff zum Erfolg. Die Behandlungsdauer ist bei allen Knochenaufbauverfahren um mehrere Monate verlängert, da ja das Knochenwachstum abgewartet werden muss.

Wir sehen es sehr gerne, wenn ein Patient sich noch bei einem anderen Implantologen beraten lassen möchte und geben selbstverständlich auf Wunsch unsere Röntgenbilder per email heraus. Umgekehrt werden wir von vielen Patienten um eine Zweitmeinung gebeten, die wir korrekt, fachgerecht und ohne falsche Anschuldigungen des Kollegen gerne geben.